Hassen Männer Frauen?
In einem Kommentar zu einem meiner Postings auf facebook ergab sich ein Austausch zum Thema Frauenhass dh die Frage ob man tatsächlich sagen könne, dass Männer Frauen hassen.
Mich hat diese Frage weiter beschäftigt und ich habe dazu etwas recherchiert und bin fündig geworden.
In ihrem Buch „Down Girl – The Logic of Misogyny“ hat Kate Manne genau diese Frage aufgegriffen.
Sie führt aus, dass Misogynie eine klare soziale Funkion hat:
Sexismus rechtfertigt die Ordnung.
Misogynie setzt sie durch.
Sexismus ist die Ideologie, dass Männer Frauen „natürlich“ überlegen sind.
Misogynie hat die Aufgabe dieses Ordnungsystem aufrecht zu erhalten und vor allem Frauen, die diese „natürliche“ Ordnung kritisieren, offen legen oder angreifen zu disziplinieren und sie wieder an „ihren Platz“ zu stellen.
Frauenhass, ist also quasi das Bestrafungs-und Sanktionssystem für diese Frauen, die sich nicht an die patriarchale Normen halten wollen.
Frauenhass dh Misogynie ist also nicht nur ein Einzelphänomen von bestimmten Männern, sondern wird gezielt strukturell eingebracht um das Patriarchat zu schützen.
Denn würden zu viele Frauen „aufmüpfig“ werden, dann würde das System ja kippen. Wie bei jeder Revolution gerade sichtbar, wird also mit aller Härte reingefahren um aufkeimende Widerstände zu brechen und Frauen vor allem in ihrem Kampf zu isolieren.
Manne sagt wörtlich im Interview:
„Sexismus ist eine Theorie; Frauenfeindlichkeit schwingt die Keule.“
Misogynie hat somit eine klare soziale Funktion.
Manne argumentiert, dass Frauenfeindlichkeit (Misogynie) nicht einfach individuelle Gefühle von Hass gegen Frauen meint, sondern ein soziales Instrument zur Stabilisierung patriarchaler Ordnung ist. 
Frauen werden vom Patriarchat als gebend, fürsorglich, liebevoll definiert.
Und wenn Frauen sich hier abweichend verhalten, zBsp unabhängig, dominant, machtbewusst, dann löst dies Kritik und vor allem gesellschaftliche Gegenreaktionen aus.
Das Ziel dabei ist die definierten gesellschaftlichen Rollen für Frauen aufrechtzuerhalten. Misogynie ist somit kein abstraktes Glaubenssystem, sondern ein Mechanismus, der Normabweichungen sanktioniert.
Warum halte ich diese Ausführungen für so wichtig, weil Manne hier so klar differenziert. Misogynie ist nicht einfacher „Hass auf Frauen“ von bestimmten Männern, sondern es ist ein soziales Kontrollsystem.
Das auch strukturell stark verankert ist und diese Verankerung ist oft auch unsichtbar. Aber jeder Mann kann sich darauf stützen.
Die soziale Funktion:
Frauen, die ihre vorgegebenen Rollen überschreiten zu bestrafen.
Parallel dazu andere Frauen zu warnen, diese Normen nicht zu brechen.
Weil schau was wir mit diesen Normbrecherinnen machen.
Und durch die Angst vor den Sanktionen und die tatsächlichen Sanktionen werden die patriarchalen Machtstrukturen stabilisiert.
Wenn die ICE-Schläger nun Frauen bei den Kontrollen warnen, sie sollen daran denken was passieren könne, wenn sie nicht kooperieren und damit auf die Ermordung einer Frau anspielen, dann zeigt sich hier genau dieses System.
Eine Frau zu ermorden wird als Drohung für die anderen Frauen verwendet.
Und die Schuld für die Ermordung wird der Frau zugeschoben:
Gehorche und wir müssen Dich nicht morden.
Faschistischen Ideologien geht es nicht nur um Machtpolitik, sondern auch immer um die Durchsetzung und Sicherung männlicher Dominanz. 
Damit sind Frauenfeindlichkeit und autoritäre Gewalt nicht Randphänomene, sondern systemische Elemente eines faschistischen Weltbilds.
Und diese Frauenfeindlichkeit hat auch eine Brückenfunktion von der Mitte der Gesellschaft in den Faschismus. Denn hier wird er für manche anschlussfähig, diese „natürliche Ordnung“ ist tief verinnerlicht in unserer Gesellschaft.
Und das merken ja Frauen auch bei jedem Femizid.
Natürlich ist da eine große Betroffenheit als Mensch da.
Aber es gibt auch noch eine andere Ebene, die wenn wir uns erlauben hinzuhören, genau diesen unterschwelligen Drohton einer Gesellschaft wiedergibt in der Frauen von Männer ermordet werden.
Jede ermordete Frau trägt eine unausgesprochene gesellschaftliche Botschaft an Frauen in sich:
„Das hätte auch dir passieren können.“
Diese Drohkulisse wirkt nicht nur individuell, sondern kollektiv und das über Generationen hinweg. Dass Frauen diese Angst oft auch an ihre Töchter weitergeben, lässt sich mit dem Konzept des transgenerationalen Traumas gut erklären.
Und jede Beschimpfung im Alltag, jede Herabwürdigung im Job greift in diese Kerbe.
Was wir bei den Femiziden auch stetig erleben ist Himpathy.
Himpathy ist eine Mischwort und bezeichnet eine besonder Form von Sympatie.
Die unangemessene Sympathie für männliche Täter, statt für weibliche Opfer und die schnelle Zuschreibung von Schuld für das Opfer.
Der Täter hatte ein schweres Leben, Stress, sie wollte die Beziehung beenden und er war emotional tief getroffen, er war doch eigentlich so ein netter Kerl. All diese Geschichten kommen regelmäßig in den Boulevardzeitungen vor, nach einem Femizid.
Parallel dazu wird sie entweder als sexuell doch sehr offen, naiv (weil in den falschen Mann verliebt) oder unmoralisch geframt (weil sie hatte eine Affäre mit einem Mann in Beziehung)
Er, der Täter also plötzlich bemitleidenswert und sie das Opfer plötzlich verachtungswert.
Misogynie ist also kein bloßer Hass auf Frauen, sondern ein soziales Kontrollsystem.
Gesellschaftlich wird dabei immer noch unterschieden zwischen
„guten“ Frauen: angepasst, fürsorglich, unterstützend gegenüber Männern
und „ schlechten“ Frauen: kritisch, unabhängig, machtbewusst, widersprechend
Die „guten“ werden belohnt oder geduldet und die „schlechten“ werden abgewertet, angegriffen, zum Schweigen gebracht.
Im schlimmsten Fall auch getötet.
Laut Manne dient Misogynie also dazu, männliche Vorherrschaft zu schützen, nicht unbedingt dazu, alle Frauen pauschal zu hassen.
Aber wenn der Hass dafür notwendig ist, dann wird er als soziales Kontrollsystem genutzt und/oder angezündet.
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